Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht an einem Wendepunkt. Das aktuelle Impulspapier der gematik zur prozessübergreifenden digitalen Transformation macht deutlich: Die Zukunft liegt nicht darin, bestehende Papierprozesse eins zu eins zu digitalisieren. Vielmehr müssen Prozesse grundlegend neu gedacht werden. Dabei rückt insbesondere ein Thema in den Fokus: der Umgang mit Unterschriften, Einwilligungen und digitalen Nachweisen.

Für Agree&Sign eröffnet diese Entwicklung weit mehr Chancen als die reine Digitalisierung von Unterschriften. Das Papier liefert eine klare strategische Argumentationsgrundlage dafür, warum digitale Vertrauens- und Einwilligungsprozesse künftig ein zentraler Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung sein werden.

Die zentrale Botschaft der gematik: Nicht jede Unterschrift ist notwendig

Die Expertinnen und Experten der gematik-Arbeitsgruppe kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Das bisherige Unterschriftenerfordernis sollte in digitalen Prozessen grundsätzlich hinterfragt werden. Viele Prozesse benötigen keine klassische Unterschrift mehr, sofern geeignete digitale Alternativen zur Authentifizierung vorhanden sind. Als Beispiele nennt das Papier Nutzerkonten, Zwei-Faktor-Authentifizierung, digitale Einwilligungen per Checkbox oder andere digitale Nachweisverfahren.

Gerade bei einfachen Verwaltungs- und Informationsprozessen entstehen heute unnötige Aufwände durch handschriftliche Unterschriften. Die gematik empfiehlt daher, das tatsächliche Risiko eines Prozesses zu bewerten und die Form der Zustimmung entsprechend auszuwählen. [gem_Impuls...sformation | PDF]

Für Gesundheitseinrichtungen bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Weg von papierbasierten Bestätigungen, hin zu intelligenten digitalen Vertrauensmechanismen.

Warum digitale Signaturen trotzdem wichtiger werden

Die Aussage der gematik lautet jedoch keineswegs, dass Signaturen an Bedeutung verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Während einfache Prozesse künftig häufig ohne klassische Unterschrift auskommen werden, gewinnen digitale Signaturen überall dort an Bedeutung, wo rechtliche Sicherheit und Nachweisbarkeit erforderlich sind. Das Impulspapier nennt ausdrücklich Behandlungsverträge, elektronische Leistungsbestätigungen und weitere Prozesse mit erhöhtem Dokumentations- und Haftungsbedarf.

Die Herausforderung liegt somit nicht in der Digitalisierung einzelner Dokumente, sondern in der intelligenten Auswahl des passenden Vertrauensniveaus für jeden Prozess. Genau hier entsteht ein neues Anwendungsfeld für moderne Plattformen wie Agree&Sign.

Die Zukunft gehört digitalen Trust-Plattformen

Der vielleicht wichtigste strategische Befund des Impulspapiers: Digitale Prozesse benötigen weit mehr als reine Signaturfunktionen. Die Arbeitsgruppe beschreibt eine zukünftige Prozesslandschaft, in der Identitäten, Authentifizierung, Vertretungsregelungen, Einwilligungen, Leistungsbestätigungen, Signaturen und Nachweise nahtlos zusammenspielen müssen. 

Damit verschiebt sich auch die Rolle von Agree&Sign. Statt ausschließlich als E-Signatur-Lösung betrachtet zu werden, kann Agree&Sign die technologische Grundlage für eine umfassende digitale Vertrauensinfrastruktur bilden – einen zentralen Trust & Consent Layer für das Gesundheitswesen.

Digitale Vertreterregelungen: Ein enormes Potenzial

Besonders hervor hebt die gematik die sogenannte digitale Vertreterregelung. Heute müssen in zahlreichen Situationen andere Personen im Namen von Patientinnen und Patienten handeln – beispielsweise Eltern für Kinder, Angehörige in der Pflege oder Bevollmächtigte im Rahmen einer Vorsorgevollmacht.

Die Experten empfehlen die Schaffung einer prozess- und anwendungsübergreifenden digitalen Vertreterregelung. Dabei sollen sowohl dauerhafte als auch temporäre Berechtigungen verwaltet und nachvollziehbar dokumentiert werden können. Gleichzeitig müssen Vertretungsvorgänge revisionssicher protokolliert werden. 

Für Agree&Sign entsteht hier ein völlig neues Geschäftsfeld:

  • Verwaltung digitaler Vollmachten
  • Dokumentation von Vertretungsrechten
  • Steuerung temporärer Berechtigungen
  • Revisionssichere Audit-Trails
  • Nachvollziehbare Einwilligungsprozesse

Ein Bereich, der heute in vielen Einrichtungen noch weitgehend papierbasiert organisiert wird.

Elektronische Leistungsbestätigungen als Wachstumsmarkt

Ein weiterer Schwerpunkt des Impulspapiers ist die elektronische Leistungsbestätigung. Die gematik verweist explizit auf den Behandlungskontext und fordert die Prüfung digitaler Alternativen für Nachweise erbrachter Leistungen. 

Gerade hier sind zahlreiche Anwendungsfälle denkbar:

Ambulante Versorgung

  • Nachweis erbrachter Leistungen
  • Dokumentation der Anwesenheit von Patient:innen
  • Bestätigung von Aufklärungsprozessen

Krankenhaus

  • Digitale Aufnahmeprozesse
  • Behandlungseinwilligungen
  • Entlassdokumentationen

Pflege

  • Leistungsnachweise
  • Besuchsbestätigungen
  • Dokumentation erbrachter Maßnahmen

Eine Plattform wie Agree&Sign könnte hierbei nicht nur die Signatur bereitstellen, sondern als umfassende Nachweisplattform fungieren, die sowohl rechtssichere Dokumentation als auch transparente Prozessverfolgung ermöglicht.

Die Architektur der Zukunft: Wiederverwendbare digitale Bausteine

Ein weiteres Kernelement des Impulspapiers ist das sogenannte Baukastenprinzip. Die gematik empfiehlt, neue digitale Prozesse auf wiederverwendbaren Komponenten aufzubauen und bestehende digitale Dienste möglichst nachzunutzen. Agree&Sign sollte deshalb künftig nicht als isolierte Anwendung verstanden werden, sondern als wiederverwendbarer Service innerhalb der Telematikinfrastruktur und zukünftiger Gesundheitsplattformen:

  • Signaturservice
  • Consent-Service
  • Trust-Service
  • Identitäts- und Berechtigungsdienst
  • Nachweis- und Audit-Service

Dieser Plattformansatz entspricht exakt der Architekturvision, die die gematik für die zukünftige Prozesslandschaft beschreibt. 

Warum dies perfekt zur Digital Operating Platform passt

Besonders bemerkenswert ist die Nähe des Impulspapiers zur Vision einer modernen Digital Operating Platform (DOP).

Die gematik fordert unter anderem:

  • End-to-End-Prozesse
  • Once-Only-Prinzip
  • Single Source of Truth
  • Wiederverwendbare Services
  • Strukturierte Datenmodelle
  • Interoperable Prozessketten

Genau diese Prinzipien bilden die Grundlage moderner Plattformarchitekturen. Für Agree&Sign bedeutet das: Die Lösung kann zu einem horizontalen Kernservice innerhalb einer DOP werden – überall dort, wo digitale Identitäten, Einwilligungen, Berechtigungen und rechtskonforme Nachweise benötigt werden. Mögliche Einsatzfelder reichen von Patientenaufnahme und Behandlung über Pflegeprozesse bis hin zu Verordnungen, Kostenzusagen und Patientenportalen.

Fazit: Die Zukunft liegt nicht in der digitalen Unterschrift – sondern im digitalen Vertrauen

Das neue gematik-Impulspapier ist weit mehr als ein Aufruf zur Digitalisierung bestehender Dokumente. Es beschreibt die Grundlagen einer zukünftigen digitalen Vertrauensarchitektur im Gesundheitswesen. 

Die Gewinner dieser Entwicklung werden nicht die Anbieter sein, die lediglich PDF-Dokumente elektronisch unterschreiben lassen. Erfolgreich werden Plattformen sein, die digitale Identitäten, Einwilligungen, Vertreterregelungen, Leistungsbestätigungen, elektronische Signaturen und revisionssichere Nachweise in einer integrierten Lösung zusammenführen. Für Agree&Sign eröffnet sich damit die Chance, sich als Trust & Consent Layer für das digitale Gesundheitswesen zu positionieren – und damit als wesentlicher Baustein der nächsten Generation digitaler Gesundheitsprozesse.

Quelle: Impulspapier „Prozesstransformation im Gesundheitswesen und der Pflege – Impulse für eine prozessübergreifende digitale Transformation“.

Annika Jessat

Kontakt - Name:

Annika Jessat
Business Development Manager

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