Open Source, digitale Souveränität und eine klare Entscheidungslogik gewinnen für Organisationen zunehmend an Bedeutung – insbesondere dort, wo langfristige Skalierbarkeit, Interoperabilität und Sicherheit im Fokus stehen. Im Rahmen eines kürzlich geführten Universitätsinterviews hat Laurent Rohmer, Senior Manager bei BearingPoint, zentrale Perspektiven zu Free Open Source Software (FOSS), digitaler Nachhaltigkeit und den Auswirkungen des EMBAG geteilt. Wir greifen diese Impulse auf und ordnen sie aus Sicht von BearingPoint ein.

Auf einen Blick

Laurent Rohmer wurde am 13. März 2026 von IPST interviewt. Den vollständigen Artikel finden Sie hier. Hier ein Auszug.

  • Open Source ist ein zentraler Hebel für digitale Nachhaltigkeit, Effizienz und Souveränität.
  • EMBAG verankert „Open by default“ als Leitprinzip für Software, Daten und Standards in der Bundesverwaltung.
  • Klare Warum‑Entscheidungen sind entscheidend: Bewusste Abwägungen zwischen Open Source und proprietären Lösungen schaffen Vertrauen und Zukunftssicherheit.

Digitale Nachhaltigkeit im Open‑Source‑Kontext: mehrdimensional gedacht

Digitale Nachhaltigkeit im Umfeld von Open Source lässt sich nicht auf einen einzelnen Aspekt reduzieren. Aus BearingPoint‑Sicht zeigt sie sich insbesondere in drei Dimensionen:

  1. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
    Der Einsatz von Open Source ermöglicht Wiederverwendung statt Neuentwicklung. Aktuelle Zahlen aus der Open Source Studie Schweiz 2024 zeigen, dass Open Source längst im Mainstream angekommen ist: Nahezu alle befragten Organisationen setzen OSS ein, viele davon intensiv über zahlreiche Anwendungsbereiche hinweg. Das führt zu Skaleneffekten und langfristig zu geringeren Gesamtbetriebskosten (TCO).

  2. Institutionelle Nachhaltigkeit
    Offenheit fördert Transparenz, Kompetenzaufbau und Zusammenarbeit. Offene Standards, Interoperabilität und der Austausch in Communities gehören zu den wichtigsten Gründen für den Einsatz von Open Source. Diese Prinzipien stehen im Einklang mit modernen Verwaltungs‑ und Organisationsmodellen – insbesondere im öffentlichen Sektor.

  3. Technische Nachhaltigkeit
    Offene Technologien erhöhen die Langlebigkeit und Zukunftsfähigkeit digitaler Lösungen. Interoperable Architekturen und standardisierte Schnittstellen reduzieren Abhängigkeiten und erleichtern föderale Skalierung – ein zentrales Ziel vieler Organisationen.


Warum die Open Source Studie Schweiz für Unternehmen relevant ist

Für BearingPoint hat die Open Source Studie Schweiz einen konkreten praktischen Nutzen. Sie liefert belastbare Daten, um:

  • strategische Entscheidungen faktenbasiert zu begründen,
  • Business‑Cases für Open‑Source‑Lösungen zu untermauern,
  • Beschaffungs‑ und Technologieentscheidungen zu objektivieren.

Besonders bemerkenswert: Ein wachsender Anteil der Organisationen veröffentlicht selbst Open‑Source‑Software oder plant dies aktiv. Gleichzeitig sind cloud‑native Technologien wie Kubernetes in vielen Umgebungen fest etabliert – auch im öffentlichen Umfeld. Diese Erkenntnisse helfen, Kunden bei einer zentralen Frage zu unterstützen: Warum Open Source – und warum jetzt?


EMBAG: klare Leitplanken für „Open by default“

Mit dem Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG) wird Offenheit in der Bundesverwaltung strukturell verankert. Zentrale Elemente sind:

  • Veröffentlichung von selbst entwickeltem oder beauftragtem Code als Open Source (mit klar definierten Ausnahmen),
  • Bereitstellung von Verwaltungsdaten als Open Government Data,
  • verbindliche offene Standards sowie elektronische Schnittstellen.

Für Organisationen bedeutet das:

  • Effizienzgewinne durch Wiederverwendung,
  • Interoperabilität über Organisations‑ und Föderationsgrenzen hinweg,
  • Qualitätssteigerung durch Transparenz und Community‑Feedback.

Open Source wird damit nicht nur empfohlen, sondern systematisch gefördert und in einen klaren Rahmen gesetzt.


Open Source als langfristiger europäischer Trend

Auch über die Schweiz hinaus zeigt sich: Open Source kann messbare volkswirtschaftliche Effekte erzeugen. Europäische Analysen verknüpfen steigende OSS‑Beiträge mit Innovation, zusätzlicher Wertschöpfung und neuen Technologie‑Unternehmen. Diese Perspektive gewinnt insbesondere in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und wachsender Abhängigkeiten an Bedeutung.

Souveränität heisst: gestalten statt verwaltet werden.

Laurent Rohmer, Senior Manager bei BearingPoint

Wie BearingPoint Organisationen konkret unterstützt

Um Open Source strategisch und nachhaltig zu nutzen, begleitet BearingPoint Organisationen entlang mehrerer Handlungsfelder:

FOSS‑Governance etablieren
Klare Rollen, Richtlinien, Freigabe‑ und Veröffentlichungsprozesse machen Open Source beherrschbar und skalierbar. So wird Re‑Use zur Routine – und nicht zur Ausnahme.

Compliance und Security professionalisieren
Dazu gehören SBOM‑Management, Lizenzprüfung, definierte Security‑Fix‑Prozesse sowie – wo sinnvoll – Managed Services für Integration, Betrieb und Support.

Beschaffung „open‑by‑design“ denken
Offene Standards, Schnittstellen sowie Community‑Reife und Lizenzmodelle werden zu festen Entscheidungskriterien. Das schafft Transparenz in der Beschaffung und reduziert Lock‑in‑Risiken.

So wird Open Source von einer Einzelentscheidung zu einem strategischen Bestandteil der digitalen Architektur.


Die Warum‑Frage als Entscheidungsrahmen

Offene und proprietäre Software stehen nicht im Widerspruch. Entscheidend ist die bewusste Abwägung entlang klarer Kriterien:

  • Interoperabilität und offene Standards
  • Sicherheit und Transparenz
  • Kosten über den gesamten Lebenszyklus (TCO)
  • Souveränität und Vermeidung von Lock‑in
  • Governance, Betrieb und Support

Die konsequente Beantwortung der Warum‑Frage schafft Orientierung und Vertrauen – heute und langfristig.

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